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Das Märchen von der schwarzen Kette

für Nadjeschda und Mikosch

Es war einmal in einem nicht allzu sehr entfernten Land vor nicht allzu langer Zeit, da lebte eine geschmeidige Kette, die war so schwarz wie Ebenholz und so stark wie Elfenbein. Tag für Tag und Woche für Woche tat sie treu ihren Dienst und füllte mit größter Sorgfalt Glied für Glied die Lücken der Zahnräder aus, über welche sie lief. Diese Zahnräder waren Teile eines mit größter Sorgfalt zusammengesetzten Fahrrades, das war so azurblau wie eine Lagune und funktionierte so präzise wie ein Schweizer Uhrenwerk.

Das Fahrrad hatte ein bettelarmer, aber liebevoller und gütiger Vater in mühevoller Kleinarbeit von seiner kostbaren Zeit abgespart und seinem Töchterchen geschenkt, einfach so. Und nun fuhr dieses liebe, große Mädchen damit durch die Welt und freute sich Tag für Tag an der Verlässlichkeit seines Fahrrades und an dem Summen der Bienen, die ganz ähnlich klangen, wie das Schnurren dieses feinen, feinen Fahrrades.

Aber eines Tages kam ein Sturm auf, der brachte Regen über das Land und das Fahrrad wurde pitsche patsche nass. Sandkörnchen setzten sich in das feine Schaltwerk und der Regen spülte das ganze Öl von der Kette. So war die schöne schwarze Kette nicht mehr vor dem bösen, bösen Rostfraß geschützt, und so blich die schöne schwarze Kette allmählich immer weiter aus und verfärbte sich in eine hässliche hellbraune Farbe. Die hässlich braune Kette stöhnte nun, sie ächzte, quietschte und knackte unter der Last der Arbeit, aber das liebe große Mädchen hörte nicht ihr Klagen und fuhr nur um so munterer weiter über Stock und Stein.

Eines Tages kam es an einem finsteren, tiefen Wald vorbei, indem der böse, böse Wolf hauste. Er hatte gerade in der Korrosionsgasse 88 einen Fahrradladen eröffnet und als er die Kette nun so klagen, quietschen und rattern hörte, da lachte er. Er lachte so laut, das sich davon die Speichen bogen und die Blätter in den Bäumen rauschten, denn er witterte ein großes, großes Geschäft. Aber da Menschen bekannterweise die Sprache der Tiere nicht verstehen können, hörte das liebe große Mädchen auch nicht das Lachen des bösen, bösen Wolfes. Lediglich ein sanftes Wehen des Windes spürte es, der die Blätter der Bäume zum Rascheln brachte. Doch das liebe fröhliche Mädchen achtete nicht auf das Rascheln der Blätter und fuhr munter weiter über Stock und Stein.

Da kam sie zu den 7 Bergen hinter denen die sieben Zwerge wohnen. Gewiss hast Du schon von ihnen gehört oder gelesen, denn sie sind bekannt für ihren großen, großen Wissensschatz von kostbaren Edelsteinen und allen Arten von Metallen. Als die Zwerge nun hörten, wie sich das liebe große Mädchen mit seinem feinen, feinen Fahrrad die Berge hoch kämpfte und dabei die Zahnräder des Fahrrades unter der großen Last stöhnten und ächzten, und sahen, wie schon feiner Metallstaub aus dem Antrieb auf den Weg herabrieselte, da riefen sie besorgt dem lieben großen Mädchen zu:“Halte ein, halte ein, mörserst ja Dein Rädchen fein!“ Aber das liebe große Mädchen beachtete sie nicht weiter und strampelte nur um so munterer weiter.

Der kleinste und dienstbeflissenste der Zwerge lief gar mit einem winzigen kleinen Ölkännchen hinter dem lieben großen Mädchen hinterher, aber da er so kurze Beinchen hatte, konnte er das liebe große Mädchen natürlich nicht mehr einholen. Aber auch sein verzweifeltes Rufen hörte das liebe große Mädchen nicht und sah auch nicht die feine Metallstaubspur, die es auf dem Weg hinterließ.

So erreichte das liebe große Mädchen ein Land, indem wohnte ein weiser, gütiger König, der für seine Reinlichkeit bekannt war und der deswegen von seinen Untertanen liebevoll König Reini genannt wurde. Mittlerweile waren die Zähne der Zahnräder von der schonungslosen Arbeit ganz spitz und scharf geworden und als das große Mädchen durch ein Schlagloch fuhr, riss die mittlerweile schon ganz braun vor Gram gewordene ehemals schöne schwarze Kette ganz plötzlich und ganz von selbst in der Mitte durch.

Am Anfang merkte das liebe große Mädchen auch dies nicht, denn es hatte noch viel Schwung, aber als das Fahrrad immer langsamer wurde, obwohl es immer heftiger und schneller strampelte und das Rad dann irgendwann sogar stehen blieb, wurde das große Mädchen doch misstrauisch und stieg schließlich vom Fahrrad ab. Jetzt erst bemerkte es, was geschehen war und da fing es an zu schluchzen und zu weinen. Es weinte so laut und so herzzerreißend, das sogar die Blätter von den Bäumen fielen und sich das Antlitz der Sonne tiefschwarz verfärbte.

 Da trat der böse, böse Wolf an sie heran, denn er war ihrer feinen Metallstaubspur gefolgt und sprach:“Holdes Mädchen, welches Leid ist Dir geschehen?“ „Ach je“ erwiderte es, „Die Kette meines feinen, feinen Fahrrad ist zerbrochen, nun weiß ich nicht mehr ein noch aus.“ „Oh ha!“ sprach da der böse, böse Wolf, ein Wort, das hier soviel bedeutet wie: „Das kann man bestimmt noch reparieren!“. Wichtigtuerisch beugte er sich zu dem feinen, feinen Fahrrad herab und schnüffelte mit geiferndem Maul an den hoffnungslos ramponierten Zahnrädern. „Oh haua haua Ha!“ setzte er dann listig nach,, eine Wendung, die hier soviel bedeutet wie „Das wird aber richtig, richtig teuer!“ Lauernd fügte er hinzu: „Was willst du auch mit so einem alten, verrosteten Fahrrad, ich verkaufe Dir ein hübsches neues Fahrrad, das glänzt so sehr wie Katzengold!“

Da brach das liebe große Mädchen erneut in Schluchzen und Weinen aus, denn es hatte gerade sein ganzes Geld für ein neues Smartphone ausgegeben und keinen Taler mehr übrig, um die Reparatur, geschweige denn ein neues Fahrrad, das wie Katzengold glänzte, zu bezahlen. Es weinte so laut und herzzerreißend, das ein fahrender Spielmann, der zufällig gerade vorbei kam, ebenfalls in Tränen ausbrach. Das hörte wiederum eine Magd, die mit einem Huhn, 2 Äpfeln und 3 kleinen Schweinchen vorbei schlenderte. Sie war ganz angetan von dem lustigen Spielmannsgesellen, aber als sie nun sah, wie er vor Kummer mit den Fäusten auf den Boden trommelte, da konnte auch sie nicht mehr an sich halten und brach ebenfalls Tränen überströmt in sich zusammen. So weinten bald das liebe große Mädchen, der Spielmannsgeselle, die Magd, das Huhn und die 3 kleinen Schweinchen. (Nur der böse, böse Wolf stand lauernd ohne eine Träne der Rührung daneben).

Aber niemand konnte dem lieben großen Mädchen helfen, denn niemand hatte Geld, um eine Reparatur zu bezahlen oder ein neues Fahrrad für das liebe große Mädchen zu kaufen. Und so erfasste das Klagen, Jammern und Weinen bald das nächste Dorf, die nächste Stadt und legte sich als dann wie ein schwarzes Tuch über das ganze Land. Warum nur, wirst Du Dich fragen, hatte niemand Geld in diesem Land? Nun, wie ich schon erwähnt hatte, regierte ein weiser und reinlicher König das Land. Und der hatte bei Todesstrafe verboten, das seine Untertanen ihre Gebrauchsgegenstände vernachlässigten. Darum kümmerten sich seine Untertanen um ihre Besitztümer, hegten und pflegten sie und da so fast nie etwas kaputt ging, hatte man das Geld einfach abgeschafft.

Als der Kummer schlussendlich den Hof des Königs erreichte, war dieser natürlich zutiefst besorgt und sandte sofort 12 seiner kühnsten Ritter in alle vier Himmelrichtungen aus, um der Ursache für den großen Kummer auf den Grund zu gehen. Aber auch Wochen und Monate später kehrte kein einziger der Ritter zurück, denn auch sie wurden von der Verzweiflung und dem harten Schicksal des großen Mädchens ergriffen und fielen Tränen überströmt von ihren Pferden,wo sie nicht mehr die Kraft fanden, wieder aufzustehen.

Da erreichte endlich der kleine Zwerg auf seinen winzigen Stummelbeinchen das große Mädchen, das schon ganz abgemagert neben den Resten seines einstmals so feinen, feinen Fahrrades am Straßenrand kauerte und immer noch still vor sich hin weinte. Während der langen, rastlosen Verfolgungsjagd des lieben großen Mädchens, dem auch er an Hand der Metallstaubspur gefolgt war, hatte er einen großen, großen Zauberer getroffen und ihm von dem lieben großen Mädchen auf dessen feinen, feinen Fahrrad berichtet. Selbstverständlich hatte sich der große, große Zauberer sofort dem winzigen kleinen Zwerg bei seiner Rettungsaktion angeschlossen und so waren sie dem großen Mädchen über Berge und Meere, Seilbahnen und Minigolfplätze sowie Mondlandschaften und Einkaufsboulevards gefolgt.

„Liebes großes Mädchen,“, sprach der winzige, kleine Zwerg, der immer noch ein wenig nach Luft schnappte, da ihn die Reise so sehr angestrengt hatte, „ich will Dir gerne helfen!“ „Aber ich habe gar kein Geld, um Dich zu bezahlen“, schluchzte das große Mädchen. „Das macht nichts“ erwiderte der winzige kleine Zwerg mit sanfter Stimme, gerade so, wie König Reini es bei seinen Ansprachen an seine Untertanen zu sagen pflegte. Flugs schmiedete er die Kette unter den ungläubigen Blicken des Publikums zusammen, während ihm der große, große Zauberer bewundernd über die Schulter schaute. Dann trippelte der winzige, kleine Zwerg zur Seite.

Nun trat der große, große Zauberer ohne große Worte hervor und fingerte etwas umständlich einen kleinen, krummen Zauberstab aus seinem Tornister. Gebannt blickten das große Mädchen, der böse Wolf, der Spielmannsgeselle, die Magd, das Huhn, die 3 kleinen Schweinchen und der winzige kleine Zwerg den großen, großen Zauberer an und fragten sich, was nun wohl als nächstes geschehen würde - „Zauberei ist totaler Blödsinn“ murmelte der große, große Zauberer vor den enttäuschten Blicken seiner Zuschauer. Es war totenstill. Nur das frustriertes Quieken eines kleinen Schweinchens war zu vernehmen.

Dann ließ der Zauberer seine geschmeidige Hand erneut in den Tiefen seines Tornisters verschwinden. Es klöterte ein wenig und unter den nun sprachlosen Blicken seines Publikums zauberte er einige Werkzeuge und Zahnräder hervor, die der winzige kleine Zwerg mit einigen gekonnten Handgriffen gegen die hoffnungslos ramponierten Teile des feinen, feinen Fahrrades austauschte. Dann beträufelte der winzige, kleine Zwerg den Antrieb noch mit einigen Tröpfchen aus seinem Ölkännchen. Und nun passierte das Unfassbare: wie von Zauberhand begann sich die braune Kette zu verfärben. Sie wurde dunkler. Sie wurde noch dunkler. Sie wurde tief dunkel. Und nach kurzer Zeit strahlte sie in einem glänzendem schwarz. Sie war wieder geschmeidig, so schwarz wie Ebenholz und so hart wie Elfenbein geworden. Das Mädchen jubelte. Das Publikum jauchzte. Das ganze Land tobte vor Glück und König Reini lächelte milde. Nur der böse, böse Wolf heulte gar schauerlich... Und wenn die Zahnräder nicht verschlissen sind, dann fahren sie noch heute.